Mal ehrlich …

Achtung, dies hier wird ein Beitrag zur politischen Lage in Deutschland:

An alle, die noch keine Überzeugung zur anstehenden Bundestagswahl haben. Hier schreiben ich an Nahestehende, die sich unsicher sind und noch nicht mehrere Berichte zum Vergleich der Parteiprogramme gewälzt haben. Diese Wahl scheint viel durch Ängste geleitet zu sein Wähler durch unbequeme Wahrheiten zu verschrecken, und das ist bekannterweise ein schlechter Ratgeber für eine rationale Entscheidung. Wer sich selber eine Meinung bilden möchte, kann das unter folgenden links tun, ich kann zusammenfassend nur sagen, welche Parteien aus dem Bundestag man nicht wählen sollte, wenn man versucht rational und mitfühlend für das Wohl aller Generationen im Land zu entscheiden.

  • etwa 10-15 Minuten Aufwand: https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/ Hier kann man zum Vergleich einfach alle Parteien auszuwählen (kleine checkbox ganz am Ende der Liste), das ist immer noch übersichtlich. Zur Analyse des Ergebnisses gibt es weiterführende Artikel, z.B. um zu erklären wenn ‚Kleinstparteien‘ besonders weit oben liegen, was an internen Zielkonflikten liegt. Doch wer sind wir einzelne Bürger, die Machbarkeit in allen Details vorherzusagen, wer hätte vor 2 Jahren es für machbar gehalten, dass wegen einer Viruspandemie das öffentliche Leben heruntergefahren wird?
  • etwa 1 Stunde (bei original Geschwindigkeit) zu hören: 2 komprimierte Podcast Folgen aus der Reihe von „Das ist eine gute Frage“  Am Ende sogar mit Schulnoten für die Wahlprogramme bzw. die möglichen Koalitionen:  Folge 1  Folge 2
  • etwa eine halbe Stunde zu lesen: Der Bericht vom Konzeptwerk neue Ökonomie – kurz: keine der größeren Parteien hat ausreichende Maßnahmen zur Erfüllung des Pariser Abkommens, aber einige sind wenigstens näher dran.
  • und etwas mehr über die Plausibilität der Programme analysiert durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, wo unter anderem auch Claudia Kemfert mitgeschrieben hat, aber in Kürze auch visuell hier zusammengefasst (je größer die farbige Fläche, desto besser):

 

  • und zum guten Schluss für Leute, die gerne die Texte der Wahlprogramme besser im Detail verstehen wollen im Podacst: https://klabautercast.de/ Folgen 160-166, jede etwa um die 2 Stunden lang.

An der Auswahl der Quellen ist sicher schon erkennbar, welche Art von Filter ich habe – nämlich Themen, die mit wissenschaftlichen Mitteln untersucht werden können und woran man die Parteiprogramme tatsächlich messen kann. Habt ihr andere Filter und Quellen als hilfreich gefunden? Bitte lasst es uns gerne wissen.

Wer sich also aus Unsicherheit heraus der CDU oder SPD hingezogen fühlt, der könnte folgendes bedenken: Die einzige Sicherheit, die die CDU und SPD uns bieten ist, dass wir in den nächsten 4 Jahren in Deutschland so wenig zum Umstrukturierung unserer Energieversorgung und zur gerechteren Wohlstandsverteilung beitragen (national sowie global), dass es danach so gut wie unmöglich wird noch ein lebenswertes Deutschland unseren Kindern zu hinterlassen. Und ja, mit etwa 60% der Wahlberechtigten im Alter > 50 Jahre ist es schwer generationengerecht zu wählen, wenn jeder nur auf seine eigene Zeit der kommenden Wahlperiode schauen würde. Über Parteien mit ‚F‘ im Namen möchte ich mich hier nicht äußern. Eine Erklärung für die aktuell besorgniserregenden Trends in den Absichtserklärungen zur Wahl könnte das hier sein:

Die Prognosen sind nicht erst seit dem letzten Klimabericht leider zu eindeutig und die Unsicherheiten dem gegenüber ein unbedeutendes Marginal. Fest steht, die kommende Regierung wird egal aus welchen Parteien sie besteht, der Realität ins Auge schauen müssen (z.B. dass sich alleine aus der physikalischen und ökonomischen Logik heraus ein Kohleausstieg für 2030 berechnen lässt – so, und wer kümmert sich jetzt, um den ausreichenden Ausbau der Erneuerbaren? Und die unehrlichen Aussagen vom Olaf Scholz in der Lausitz?). Da wäre es mir lieber, wenn ich wüsste, dass eine Großteil der Politiker nicht neben der Arbeit im Bundestag noch diverse Nebeneinkünfte hat. Es bedarf eben einer gewissen Ehrlichkeit und Lernfähigkeit, um mit den multiplen Krisen unserer Zeit umgehen zu können – und da haben die männlichen Kandidaten bereits gezeigt, dass sie das nicht können.

Nun, an der Wahlurne ist auch noch nicht Schluss. Wer einen größeren politischen Einfluss ausüben will, kann dies durch kritisches Nachfragen bei den örtlichen Abgeordneten tun (https://www.abgeordnetenwatch.de/), bei Petitionen mitwirken (https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2020/_09/_16/Petition_116046.$$$.a.u.html) oder auf die Straße gehen und FFF bei ihren nächsten globalen Streiks am 24. September und dem 22. Oktober unterstützen.

Noch Fragen? Lasst sie mich gerne wissen.

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Apfelernte

Juhu, endliche wieder Apfelsaft pressen! Heute war es endlich so weit, nachdem die wenigen äpfeltragenden Bäume das Meiste schon fallengelassen haben. Nur durch Glück und Absprache konnten wir etwa 60 kg am Vortag bei einem Nachbarn sammeln. Dann gab es etwa 50 kg von den Bäumen auf den allgemein zugänglichen Flächen. 3 weitere Familien haben mitgeholfen in den verschiedenen Schritten und bei der Kinderbetreuung. Eine Besonderheit dieses Jahr: Die erste Runde haben wir nur komplett entkernte Äpfel gepresst. Das war zwar für 3 Leute eine extra Stunde Arbeit bis wir vielleicht an die 40 kg beisammen hatten, aber so konnten wir die ausgepressten Apfelstücke noch weiterverwenden.  Das hieß natürlich nach dem Pressen nochmal extra Arbeit bei der schnellen Weiterverarbeitung. Um die Menge zu bewältigen, kamen alle Varianten zum Einsatz: Einfrieren, im Ofen auf drei Backblechen trocknen, im größten Topf als Apfelmus zubereiten, in einem Auflauf mit rote Beete und in einem Pie verbacken.

Frisch pasteurisiert!

Beim Pressen hatten wir wieder eine Kinderschar dabei, die schon Äpfel in die Krossmaschine geworfen haben und nun sehnsüchtig den ersten Liter probiert. Der frische Saft war wieder köstlich und ich fragte mich, ob es letztes Jahr einen Tucken besser schmeckte, weil es ein völlig unerwarteter Geschmack war oder weil wir beim ersten Durchlauf nur eine Sorte verarbeitet haben.

Ansonsten waren wir dieses Jahr auch etwas professioneller aufgestellt, weil wir über Monate passende Glasflaschen gesammelt hatten. Mit dem örtlichen Pasteurisiertopf konnten wir also gleich den Prozess abrunden. Insgesamt bekamen wir etwa 50 l an diesem Tag zusammen, 40 l pasteurisiert in Flaschen, die wir uns mit den anderen Familien aufteilten. Wenn wir Glück haben, können wir noch einmal 50 kg sammeln und mit einer weiteren Nachbarin, die ein paar Äpfel Zuhause hat, einen Tag Saft machen. Aber nach diesem arbeitsreichen Sonntag, ist erstmal ein Wochenende Pause dran 🙂

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Winterspaß Teil 2

Wegen der besonderen Umständen waren wir seit August letzten Jahres ohne Unterbrechung zu Hause. Da die Restriktionen in Schweden, verglichen mit anderen Ländern, lax sind, konnten wir ohne Umstände eine ganz normale Reise machen, einen Skiurlaub. Es ging mit einer befreundeten Familie von der Nachbarinsel Lidingö nach Orsa Grönklitt in Dalarna. In die Region wollte ich ja schon immer einmal, da viel aus der schwedischen Kultur hierher kommt, z.B. die rote Farbe für Häuser (falunrot benannt der Stadt Falun) und die handgeschnitzten, buntbemalten Holzpferde. Zwei Monate im Voraus planten wir mutig, dass wir diese Reise zusammen angehen könnten, gesetzt den Fall, dass wir dann auch alle gesund sein würden. Außerdem sollte das das erste Mal seit über 20 Jahren sein, dass wir Großen auf Skiern stehen würden.

Etwa vier Stunden dauerte die Fahrt mit dem Auto in eine hügelige Landschaft, die hier wohl schon Berge genannt werden, etwa 500 m hoch. Ich glaube, dass wir noch nie so lange am Stück einfach nur durch Kiefernwälder gefahren sind! In dem Skigebiet gibt es Möglichkeiten Abfahrt- und Langlaufpisten, wir leihten uns erst mal Langlaufskier für drei Tage aus. Für die Kinder gab es die entsprechenden Schlitten zum Hinterherziehen. Am ersten Tag waren wir noch mehr mit dem Wiederaufstehen beschäftigt, als dass wir Bilder hätten machen können, aber danach fanden wir Orte und Zeiten, die etwas mehr Ausgelassenheit zuließen. Die Kinder konnten rodeln, auf einer eigens für Kinder angelegten Loipe die Technik üben und natürlich die Skilifte, das Pistenfahrzeug und Schneemobile bewundern. Das Wetter war so einladend, dass wir Tagesausflüge mit einem Mittagspicknick am allgemeinen Grillplatz einplanen konnten.

So nahmen wir von dieser Reise neben ein paar blauer Flecke, viele besondere Eindrücke mit, das Gefühl einmal wieder tief durchatmen zu können und schließlich auch den Wunsch, das im nächsten Jahr zu wiederholen.

 

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Winterspaß

Zwei Wochen lang durften wir im Februar die zugefrorene Ostsee vor der Haustür genießen. Schon etwas eher ging das „Eisfieber“ los, als Nachbarn zusammen eine Eisbahn für die Kinder gebaut haben. Wir organisierten also Schlittschuhe und hatten Glück auf dem „Inselmarkt“ passende zu finden. Skier für Langlauf fanden wir auch und so ergab sich nachmittags die schwere Frage der Aktivitäten mit den Kindern: Rodeln, Schlittschuh- oder Skilaufen?

Als die Ostsee zufror schneite es gleichzeitig so viel, dass wir das Eis schon verloren glaubten. Doch bei zweistelligen Minustemperaturen reichte es doch für über 10cm Eisdicke, täglich verfolgten wir wer, wo irgendwelche Messungen gemacht hat. So entstanden rund um die Insel gleich mehrere Eishockeyfelder, die die Anwohner mit Schneeschieber frei schaufelten und dort kleine Tore aufstellten. Mehrere Wege wurden mittels Schneeräum-Fahrzeugen auch zum Festland geräumt. Wenn dann am Wochenende auch noch die Sonne rauskam, tummelten sich alle die konnten (und wollten) auf dem Eis. Der Schnee lud Langlaufskifahrer genauso auf das Eis wie die Langlauf-Schlittschuhfahrer oder einfach Spaziergänger, manche hatten zum Beispiel Hunde dabei, die endlich mal ohne Leine frei laufen durften.

Ich nutzte die Gelegenheit auch gleich zweimal, um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, so direkt kann ich das sonst das ganze Jahr nicht mehr. Ein Nachbar hat sich mit Quad gleich mal eine Palette Blumenerde über das Eis geholt, andere holten die Supermarktlieferungen über das Eis (Inselfahrzeug mit Anhänger). Trotz der gefühlten Sicherheit war doch Vorsicht geboten, wir nahmen immer Sicherheitsausrüstung mit. Als unser Insel-„Hausmeister“ mit seinem Quad eine Spur um die Insel herum frei schieben wollte, ist er an einer Engstelle eingebrochen. Mehrere Nachbarn haben das beobachtet und ihn gerettet. Das Fahrzeug wurde drei Tage später ebenfalls geborgen. An der Stelle musste die Strömung noch so stark gewesen sein, dass dort das Eis viel schwächer war.

Nun ist die weiße Pracht wieder verschwunden, aber bis Ende März dürfen wir noch auf etwas Winterwetter hoffen.

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Der erste eigene Apfelsaft

Zugegeben, es war nicht allein unsere Idee. Oder anders gesagt, alleine hätten wir das nicht gewagt. Unsere neuen Nachbarn an der Mitsommerwiese hatten angesichts des Apfelreichtums in unserer beider Gärten angeregt, dass wir uns doch mal zusammen eine Apfelpresse kaufen könnten. Nach einer kurzen Umfrage im Inselforum fanden wir ein paar weitere Interessenten zur Beteiligung und schritten zur Tat. Es gibt Geräte für den Haushalt, die etwa 10 l Äpfel verarbeiten können, wir entschieden uns für die hydraulisch betriebene Presse mit 50 l Volumen. Wenn, dann richtig.

Schon die Abholung war für uns ein kleines Abenteuer, denn um die Presse noch zum Wochenende zu bekommen, entschieden wir uns die Presse samt Zubehör selber vom Paketzentrum Stockholm abzuholen. Es war nicht ganz klar, ob alles ins Auto passt, auch weil die komplette Familie im Auto saß. Zur Not müsste wohl etwas auf den Dachgepäckträger. Die Presse alleine wiegt 50 kg und als uns dann eine Palette hingeschoben wurde, war klar, dass etwas Puzzeln angesagt war. Marcel parkte unseren Wagen passend an der Laderampe. Mit der Presse allein war dann der Kofferraum bereits voll. Das zweitgrößte Paket beinhaltete den Häcksler – auch nochmal über 20 kg. Im dritten Karton war ein Filtertuch und eine Menge von Bag-in-Box-Beuteln, in die wir den Saft füllen wollten. Ohne diesen dritten Karton zu öffnen, hätte es wohl nicht geklappt, aber schließlich war alles (und jeder) verstaut.

Am darauffolgenden Sonntag hatten wir dann die erste Probe, als Großereignis mit einer Schar Kinder und mindesten drei Familien, die mehr oder weniger mithalfen. Unsere Nachbarn hatten passend einen Apfelkuchen zur Stärkung gebacken. Ich hatte 60 kg Äpfel vorbereitet, d.h. gewaschen und selektiert. Andere brachten nochmal 10 kg und vom Nachbargrundstück durften wir auch noch ein paar Äpfel spontan sammeln, so hatten wir insgesamt gleich an die 90 kg, also ausreichend für knapp zwei Durchgänge mit der Presse. Die Kinder standen Schlange, um zunächst die Äpfel in den Häcksler zu schmeißen und natürlich, um den ersten Saft zu probieren. Der erste Schluck – einfach umwerfend. So reichhaltig, süß und samt auf der Zunge hatte ich noch keinen Apfelsaft zuvor erlebt. Klar, dass wir einige Liter sofort verteilten. Für uns wurden es dann an diesem Tag etwa 35 l, mit denen wir all unsere mitgebrachten Gefäße füllten.

An den drei darauffolgenden Wochenenden ließen wir unseren Nachbarn den Vortritt, aber beteiligten uns immer wieder mit einer Menge von Äpfeln, die wir in Saft umsetzten. Unsere Äpfel im Garten reichten dazu zwar nicht, aber eine weitere Nachbarin hat einen ihrer Bäume für interessierte Sammler freigegeben. Da haben wir alleine 130 kg über die Wochen aufgesammelt. Insgesamt für diese Saison müssen es für uns ca. 120 l Saft geworden sein, exakt lässt sich das nach diversen Kostproben nicht mehr bestimmen. Die zurückgebliebenen, trockenen Apfelstücke sollten eigentlich Hühnern gefallen, aber auf der Insel wollte das keiner seinem Federvieh anbieten. So landeten die Reste auf dem Kompost, wo sich zumeist die Rehe darüber freuten. Eine Idee ist allerdings auch die Stücke mit Wasser aufzugießen und Wein darauszumachen, aber das Hobby überlassen wir anderen.

Noch fehlt uns der passende, große Topf zum Pasteurisieren und professionellen Abfüllen, so war das bei uns noch mit etwas mehr Arbeit verbunden. Und ja, ein wenig geht dabei von dem tollem Geschmack anfangs verloren. Aber der Großteil bleibt uns nun hoffentlich für den Winter erhalten.

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Elternzeithobby(s) in Krisenzeiten

Die ersten 4 Monate mit unserem Neuzuwachs Niklas sind um, da kam bei mir die Frage auf, worin ich nun die relativ knappe, flexible Zeit investiert habe. Bei Linus war ich noch etwa 8 Stunden am Tag mit Stillen und Windeln wechseln beschäftigt, Haushalt und Recherchen kamen dazu. Da war die Daumenregel, dass ich maximal eine Stunde am Tag für ‚mich‘ bzw. ein unabhängiges Projekt einsetzen konnte. Das ging auch nur, wenn die Nacht nicht zu oft unterbrochen war. Jetzt bei Niklas geht vieles für mich leichter von der Hand (etwa 3-4 Stunden über den Tag verteilt zum Stillen und Windel wechseln), so weit, dass ich fast schon wieder ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich nicht mehr von dem Baby gefordert werde. So bleiben mir jetzt 2-4 Stunden am Tag zur ‚freien‘ Verwendung, bis auf den durchschnittlichen Tag pro Woche an dem die Nacht nicht zur Erholung reichte.

Viele Wunschprojekte sind auf der Strecke geblieben, aber einiges konnten wir doch in die Tat umsetzen:

  • Essensbestellung für mehrere Haushalte – etwa 8 Stunden jede zweite Woche, im April wöchentlich.

    Ein paar Obst- und Gemüsekisten fertig gemischt zur Abholung.

Durch die Corona-Krise wurde es für viele auf der Insel schwer die Supermarktlieferung in Anspruch zu nehmen, denn die Termine waren 2 Wochen im Voraus schon vergeben. Dazu waren einige Waren knapp durch Hamsterkäufe, wie z.B. Pasta und Dosentomaten. Daher war es in dieser Situation für uns hilfreuich den Kontakt zu Bio-Lieferanten zu haben, denn die belieferten normalerweise Restaurants, Schulen und Kindergärten, und hatten gerade in den Restaurants gerade weniger Abnehmer. Somit organisierten wir Bestellungen von hauptsächlich frischen Obst und Gemüse, aber auch Milch, Eier, Jogurt sowie haltbare Trocken- oder Dosenwaren. Es haben bis zu 13 Haushalte teilgenommen und somit bestellten wir in einer Lieferung oftmals Waren im Wert von ~800 Euro. Meistens hat Marcel diese morgens mit dem Boot abgeholt, oft auch mit Hilfe von Nachbarn, und nachmittags teilten wir die Waren in Kisten auf und sie wurden bei uns abgeholt. Eine schöne Aufgabe an der frischen Luft, wo es selbst für die besorgtesten Nachbarn recht risikoarm war gute Nahrungsmittel zu bekommen. Ich genoss vor allem die frischen Farben, den Geruch wie am Markt und dass wir das Essen im Vergleich zum Supermarkt recht verpackungsarm bekommen konnten. Schmecken tut es außerdem auch besonders gut!

  • Garten – Zum Teil täglich 1-2 Stunden, wenn das Wetter es zulässt.

    Unser neues Himbeerbeet (mit grünem Spargel und Erdbeeren …)

    Neben den eher winterlichen Aufräumarbeiten, die uns auch noch weit in den Frühling hinein beschäftigten (BigBags mit Bauschutt aus den letzten Jahrzehnten füllen …), habe ich mit besonderer Freude dieses Jahr ein paar neue Beete angelegt. Zum Anlass von Niklas Geburt wollte ich insbesondere ein paar Himbeerbüsche anpflanzen und habe dazu eine sonnige Stelle ausgesucht, die ansonsten bei Marcel auf der todo-Liste stand, um sie flacher zu machen und dem Rasen anzugleichen. Ein anderes Beet ist oben auf dem Felsen entstanden, wo vorher quasi eine Mülldeponie war (der Baum darin war abgestorben und Marcel hat das Loch im Felsen komplett geleert …). Ich fand es besonders schön mit den Kindern so viel Zeit draußen zu verbringen. Niklas war immer im Kinderwagen oder Autositz dabei, der Linus sprang um uns herum mit Schaufel, Harke oder Gießkanne oder er war nebenan auf dem Spielplatz. Mindestens 7 Vogelpaare konnten wir beim niesten aus der Nähe beobachten und diverse Pflanzen im Garten neu entdecken.

  • Mundschutz nähen – hauptsächlich im Mai, immer mal wieder 1-2 Stunden, insgesamt wohl etwa 15 Stunden. Eine nette überschaubare Herausforderung für mich, dessen Produkt vielleicht noch dem einen oder anderen nützlich sein konnte, als wir sie nach und nach nach Deutschland schickten. Zudem ist in irgendeiner Weise aktiv werden ja auch eine passable Krisenbewältigungsstrategie …
  • Mehr-als-ein-Kind hüten – es waren 3 Wochen vor Ostern, in denen wir Linus vom Kindergarten fern hielten und die jahreszeitlich üblichen, leichten Erkältungssymptome Zuhause auskurierten. Also, unsere persönliche ‚lockdown‘-Zeit mit minimalen Außenkontakt. Ein Hobby ist das natürlich nicht, aber ein Alltag, der die gesamte verfügbare Zeit aufsog. Versüßt haben wir uns die Zeit mit dem einen oder anderen Videotelefonat oder mit süßem Gebäck am Nachmittag. Marcel hat in diesen Wochen sich das home-office in der Gästehütte eingerichtet. Seine exklusiv-für-2-Kinder-da-sein Zeit war dann eine Stunde Mittwoch abends, wenn ich bei einer Nachbarin auf der Terrasse das Zumba Training besuchen konnte.
  • Podcasts hören – eine halbe bis ganze Stunde täglich, je nach Verfassung und Laune. Es zählt vielleicht nicht so ganz als Hobby, schließlich lässt sich das hier mit sehr vielen anderen Aktivitäten wie joggen, Haushalt machen oder Baby stillen kombinieren. Dennoch ist das eine ausgeruhte und inspirierende Art und Weise sich mit dem Weltgeschehen auseinanderzusetzen. Hier meine deutschsprachigen Favoriten:
    • https://s4f-podcast.de/
    • https://www.zeit.de/serie/alles-gesagt
    • https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/index.html
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Entdeckungen im Garten

Die Schlüsselblume bei uns direkt vor der Haustür.

Man sollte meinen, dass wir nach 4 Jahren unseren Garten kennen, aber nein, wir kennen noch nicht alle Pflanzen mit Namen. Zu der Pfefferminze im Rosenbeet konnten wir dieses Jahr noch weitere Entdeckungen hinzufügen:

Schlüsselblume – eine selten gewordene und geschützte Pflanze, die Blüten sollen gut im Tee gegen Husten wirken. Also habe ich gleich mal eine Hand voll aus unserem Garten gesammelt und getrocknet, sozusagen als Vorsorge vor dem nächsten Winter.

Die Knoblauchrauke in der Gartenecke neben dem Kompost.

Knoblauchrauke – Noch bevor sie blühte wollte Marcel wissen, was das wohl sein könnte und wie wir das Unkraut loswerden, weil sie so zahlreich bei uns wächst. Zum Glück haben wir sachkundige Nachbarn auf der Insel, die uns ein paar Tage später schon von ihr vorschwärmten, weil man wohl so gut Pesto aus ihr machen kann oder sie frisch als Beilage im Salat essen kann. Damit haben wir jetzt schon das nächste Experiment in Planung …

 

 

 

Die Traubenkirsche – bei uns mehrere Baumtriebe an Stelle eines Gartenzauns

Traubenkirsche – Die ist nicht nur im Namen sonder auch auf unserer Insel recht gewöhnlich. Nur haben wir bisher noch nicht probiert aus den Beeren eine Marmelade zu kochen. Das ist also ein geplanter Versuch für diesen Sommer.

 

 

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Baumwoll-Mundschutz richtig verwenden

Mundschutz – jetzt aber richtig.

Ende März kamen bei uns die Nachrichten zur Ausbreitung des Corona Virus ein, da ließen wir unseren Sohn nicht mehr in den Kindergarten und ich begann ein paar Masken für uns zu nähen. Aus den Erfahrungen heraus habe ich nun ein praktisches Modell für unsere Verwandten und Freunde entworfen. Da ich ein Gummiband um die Ohren herum nicht gut haben kann, geht in diesem Modell das Band um den ganzen Hinterkopf.

Die wichtigsten Eigenschaften:

  • Heftklemme für den Nasenbügel, mit Stoffschlauch ummantelt, für die Passform
  • Doppelte Stofflage, um zusätzliche Filter einlegen zu können
  • Falls kein neues Gummiband zur Hand, welches aus abgetragener Wäsche nutzen

Neben der Maske bedarf es auch einer praktischen Handhabung zur Risikoreduzierung sich mit Krankheiten zu infizieren:

  • Hände vor dem Aufsetzen und Abnehmen waschen oder desinfizieren
  • Kaffeefilter als zusätzliche Einmaleinlage oder
  • Seide als Einlage zur Mehrfachanwendung
  • Während der Benutzung Stoff besser nicht anfassen
  • Zur Reinigung bei 60 Grad waschen, wegen dem Metallbügel besser im Wäschesack waschen oder nur gering schleudern
  • Für die schnelle Wiederbenutzung bügeln

Artikel zur Wirksamkeit:

P.S. Bis Ende Mai habe ich 20 Masken genäht und wohl etwa 35 Minuten durchschnittlich pro Maske gebraucht. Diese gingen alle nach und nach mit unserer Karte von Nachwuchsbildern nach Deutschland ….

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Das Schaukelprojekt

Fast ein Jahr lag die Stelle auf unserem Inselspielplatz nun schon brach – die alten Schaukelpfosten waren morsch und daher musste die alte Schaukel im Herbst 2018 abmontiert werden. Nachdem eine neue Schaukel versprochen aber nicht gebaut wurde, nahmen wir die Sache in die Hand und bestellten in Absprache mit dem Inselvorstand eine Schaukel. Was sich wie ein kleines Projekt für mal eben nebenbei anhört, zog sich doch gehörig in die Länge: Vom Antrag im vergangenen September über die Bestellung, Lieferung und den Aufbau vergingen glatt 4 Monate. Drei Angebote haben wir eingeholt, warten müssen bis der Inselvorstand sich trifft und zusagt, dann die Lieferung im November mit dem Insellieferanten/Hausmeister koordinieren, Baggerfahrer mit Bagger organisieren (Highlight für Linus, denn der Bagger musste ein paar Wochen wegen schlechtem Wetter vor unserem Fenster parken …), jemanden mit Baukenntnis und Laser organisieren, Wetter abpassen (nicht zu nass, nicht zu gefroren …) und schließlich aufbauen.

Nun sind wir froh, dass die Schaukel steht und sie erfreut uns täglich alleine schon, wenn wir sie aus unserem Wohnzimmerfenster sehen und dann auch häufig in Benutzung ist.

 

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Ein Kommentar zur Wahrnehmung unseres Klimas – nicht für schwache Nerven

Sommer 2019 in Stockholm. Die kleinste Statue der Stadt, die regelmäßigen Besuch von Touristen bekommt.

Wir haben uns verfahren. Also wir, die Weltgemeinschaft in der globalisierten Wirtschaft an der Nadel fossiler Energie hängend, mit größtmöglich individualisierter Freiheit bar der dazugehörigen Verantwortung. Das Fatale bzw. Tragische daran: kein Mensch hat das wirklich so gewollt, die Mehrheit ist schließlich sozial, aber unzählige Einzelaktöre und Aktivitäten liefen unkoordiniert bzw. kurzfristig marktgesteuert zusammen (Fachbegriff Emergenz) und lassen nun das Fass überlaufen, oder genauer gesagt: umkippen. Unser Leben ist zu kurz, um das Klima direkt am eigenen Körper zu erleben, aber mit jedem weiteren Puzzlestück verdichtet sich ein und dasselbe Bild. Durch die Arbeit vieler Einzelner, zumeist Wissenschaftler, können wir heute einzelne Katastrophen deuten.

Für meine Großeltern, angefangen mit dem Nichts, in der Generation der Vertriebenen, Verlassenen und sich-selbst-überlassenen war das Hauptziel “Unsere Kinder sollen es mal besser haben”. Glücklicherweise traff dies zusammen mit dem billigen Zugang zu Öl, so dass die Energiedichte und Transportfähigkeit dieses Rohstoffes in einigen Ländern schneller zu mehr Wohlstand führen konnte, als es Erfindergeist, Fleiß und soziale Zusammenarbeit alleine je vermocht hätten.

Die Nachkriegskinder taten wohl daran sich vom Erbe der Kriegserfahrenen zu emanzipieren, so etwas wie eine neue Normalität in der Gesellschaft zu entwickeln und Traumata hinter sich zu lassen. Man richtete sich ein, technisierte und individualisierte unsere möglichen Lebensstile, fast jede Art von Fortschritt wurde als Freiheitsgewinn gefeiert – oder umgekehrt. “Unsere Kinder sollen durch gute Bildung mehr Wohlstand erreichen können” war vielleicht ein möglicher Leitsatz dieser Generation.

Warnungen dass diese Beschleunigungen in der Gesellschaft sowie der Raubbau an der Natur nicht ewig so weiter gehen können gab es bereits in den 70’ern. Spätestens in den 80’ern war der Wohlstand und der Zugang zu Information so weit verbreitet, dass die größten Ölunternehmen gezwungen waren gezielt Missinformation zu organisieren, um ihre Privilegien Geld und Macht über Nationalstaaten hinaus zu akkumulieren nicht zu gefährden. Und so wurde die Welt immer ungleicher und das Klimagleichgewicht der vergangenen 10.000 Jahre (ja, seit der Eiszeit …) wurde aus den Angeln gehoben.

Und jetzt, welche Lehren können wir aus 7 Jahrzehnten ungebremsten Wachstums ziehen? Welche Zukunft wünschen wir heute unseren Kindern und was liegt in unserer Hand dafür zu tun?

Die notwendige Kehrtwende hat in vielen Köpfen bereits stattgefunden, allerdings weit weniger Hände erreicht, um als macht- und systemverändernder Prozess wahrgenommen zu werden. Es leben Menschen in Kommunen oder Genossenschaften, lernen wieder mehr praktische Tätigkeiten, um vom Öl unabhängig zu wirtschaften und damit kleine, räumlich begrenzte Zukunftsperspektiven aufzubauen. Dem gegenüber, wer sich von Diskussionen zur Fleischsteuer oder SUV Schelte im Zuge der Klimakrise übergangen und überfordert fühlt, reagiert eher damit mit 600 PS in die nächste Stadt zu brausen. Aber die Mehrheit? Blickte stumm um den ganzen Tisch herum oder träumt von Technik und Wirtschaft.

Die Kinder, die jetzt auf die Straße gehen, verurteilen nicht ihre Eltern oder weitere Vorfahren für deren gut gemeinten Entwicklungen. Aber egal welchen Alters, wer in diesen Tagen nicht aufwacht und sich in irgendeiner Form bemüht die Perspektiven der heutigen Kinder ernst zu nehmen und zu verbessern, denen werden diese Kinder nicht verzeihen. Es gehört schon einiges dazu Greta’s Worte zu hören und die tiefe Verzweiflung in ihren Augen zu sehen und danach zum Alltag überzugehen. Einige Forscher und Denker formulieren es etwas weniger wertend: Wir sind heute die erste Generation, die die Klimakrise zusammenhängend versteht, aber die letzte, die etwas an ihrem Verlauf verändern kann. Und dabei sind sich Forscher sowie religiöse Führer einmal einig.

Also, volle Fahrt gegen die Mauer, keiner hat es gewollt und damit ist keiner schuld in diesem Dilemma? Nun, zum Abschluss ein paar mögliche Ausblicke:

Lasst uns in die Pedalen treten …

 

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